Pflegeversicherung

Pflegebedürftigkeit verursacht weitreichende Konsequenzen. Neben den körperlichen Einschränkungen sind es vor allem finanzielle Aspekte, die die Lebensgestaltung und Lebensplanung pflegebedürftiger Menschen und deren Angehörige nachhaltig und oft negativ bestimmten. Gesetzliche Versicherungsträger leisten nur in Höhe einer absolut notwendigen Grundversorgung, in den meisten Fällen sind nur Bruchteile der tatsächlich anfallenden Kosten gedeckt. Die daraus resultierende Differenz ist vom Patienten und dessen nahen Angehörigen zu tragen.
Das Tragische an dieser Problematik: Zuschüsse vom Sozialamt werden nur unter enger Auslegung gesetzlicher Normen vergeben. In der Praxis bedeutet dies die Anrechnung sämtlicher Vermögensgegenstände oder Immobilien an das zur Verfügung stehende Einkommen des Patienten und dessen Familienangehörigen. Unerheblich bleibt in diesem Zusammenhang, ob diese Vermögenswerte veräußert werden können oder nicht.
Da aus diesen Gründen in vielen Fällen die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nicht ausreichen, um eine Unterbringung in einer medizinischen Einrichtung zu realisieren, übernehmen Angehörige in vielen Fällen aus Kostengründen die Pflege des Patienten. Oftmals kommen zusätzlich Pflegedienste zum Einsatz. Unberücksichtigt bleibt dabei, ob die häusliche Pflege dem Gesundheitszustand des Patienten zuträglich und eine professionelle Heimunterbringung in medizinischer Hinsicht nicht sinnvoller wäre.
Eine private Pflegekostenversicherung deckt dieses Risiko ab. Sie garantieren keine monatlichen Rentenzahlungen, sondern erstatten die tatsächlich anfallenden Pflegekosten (oder Teile davon).
Wartezeiten
Auch bei Pflegekostenversicherungen sind in der Regel Wartezeiten einzuhalten, welche anbieterabhängig bis zu 3 Jahre betragen können. Daneben haben sich auch Anbieter am Markt etabliert, die auf vertraglich festgelegte Wartezeiten verzichten.
Vor allem für lebensältere Versicherungsnehmer sollten die Versicherungsbedingungen und die darin geregelten Wartezeiten ein wichtiges Entscheidungskriterium zum Pflegekostenversicherungs-Anbieter darstellen, da sich das Risiko der Pflegebedürftigkeit gerade im Alter deutlich erhöht.
Wird der Versicherungsfall durch einen Unfall verursacht, werden Leistungen auch ohne Erfüllung von Wartezeiten erbracht.
Neben der Wartezeit sollte eine weitere Frist beachtet werden: die Karenzzeit. Im Rahmen der Karenzzeit behalten sich Versicherungsträger vor, über einen vertraglich definierten Zeitraum von bis zu 3 Monaten nach Eintritt des Versicherungsfalles nicht zu leisten. Die Karenzzeit ist vor allem für jene Versicherungsnehmer als problematisch zu erachten, die über keine finanziellen Reserven zur Überbrückung der ersten Monate der Pflegebedürftigkeit verfügen.
Leistungen
Pflegekostenversicherungen übernehmen die Kosten der Pflege, die nach Abzug gesetzlicher Leistungen verbleiben. Dabei ist es abhängig von Anbieter und gewähltem Tarif, ob diese Kosten vollumfänglich oder nur teilweise getragen werden. Einige Versicherungsgesellschaften beschränken dabei die erstattungsfähigen Leistungen auf einen jährlichen Höchstbetrag,
Grundsätzlich gewähren Pflegekostenversicherungen lebenslangen Versicherungsschutz sowie Beitragsfreiheit im Leistungsfall. Die Pflegestufe der gesetzlichen Pflegeversicherung wird dabei übernommen.
Je nach vertraglicher Ausgestaltung werden neben Ausgaben für Pflegepersonal Kostenerstattungen für technische Hilfsmittel (Krücken, Rollstuhl, Treppenlift, etc.) und behindertengerechten Wohnungsumbau zugesagt. In diesem Zusammenhang sollte darauf geachtet werden, eine Unterscheidung von Leistungen professioneller und privater Pflege auszuschließen.

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